Konflikte im Miteinander lösen
Medi-Fonie – mediative Konfliktvermittlung am Telefon – Aktion im Januar '24

Geh doch zu Momo … Teil 4

Oder: Was hat Momo mit Mediation zu tun? Über die erstaunlichen Möglichkeiten, Konflikte im Miteinander zu lösen, wenn denen, die in sie verstrickt sind, respektvoll begegnet wird – und nicht selten mit Hilfe vielversprechenden Fragens.

Warum heißt es bei den Leuten in der näheren Umgebung des Amphitheaters, dem zentralen Schauplatz der Geschichte: „Geh doch zu Momo.“? Die Leute wissen, was sie dort erwartet. Sie können sich darauf verlassen, dass sich bei Momo etwas tut: nämlich, dass sich Gedanken entwickeln und Konflikte lösen lassen. Gerade dann also, wenn Streit in der Luft liegt, lohnt es sich im alten Amphitheater bei Momo vorbei zu schaun. Bei Momo kommen die Antworten auf die Fragen, die unter den Nägeln brennen: Worum geht es? Was ist passiert? Was stört? Wer ärgert wen womit? Was ist nötig? Wie soll es weiter gehen? Momo muss all die klugen und vielversprechenden Fragen gar nicht erst stellen. Sie liegen gewissermaßen offen zu Tage, wenn sie in der Ruine des alten Amphitheaters zugegen ist und sich die anderen einfinden und einlassen. Und die Antworten lassen nicht lange auf sich warten, werden untereinander ausgetauscht, bringen Klärung und Einsichten.

Fragen, vielversprechend

Doch was, wenn die Antworten nicht von selber sprudeln? Fragen? Zur Klärung gibt es vielversprechende W-Fragen. Bei der Juristerei wird gefragt: wer will was von wem woraus? Bei der Journalisterei wird gefragt: was war mit wem wo wann wie und warum? Hoppla – eine Stolperfrage. Eine Frage mit echtem Zündstoff – krawumm – die Frage warum! Warum? Ja, das ist so eine Frage, die sich regelmäßig anbietet, geradezu aufdrängt. Sich selber die Frage nach dem warum (und dem wozu) zu stellen ist eine gute Idee, führt gedanklich weiter und kommt bedauerlicherweise etwas aus der Mode.

Fragen, Schuld

Jemand anders die Frage nach dem Warum zu stellen, kann allerdings Schwierigkeiten machen; vor allem dann, wenn es um das Warum in Bezug auf das Handeln oder Nichthandeln, das Verhalten oder die Haltung des Gegenübers geht. Wenn dann schon ein Konflikt mit dem Gegenüber besteht, wird diese Frage regelmäßig als Provokation, als Vorbereitung zur Klärung der Schuldfrage im Sinne einer klaren Zuweisung aufgefasst und in der Folge zum Anlass genommen eine Verteidigungsstrategie aufzubauen. Und Angriff ist die beste Verteidigung. Na, dann steht einer rasanten Eskalation des Konflikts ja nichts mehr im Wege. Ist also die Schuldfrage schuld? Eine Frage, die hier konsequent unbeantwortet bleibt. Denn viele Konflikte lassen sich jedenfalls beilegen ohne die Schuldfrage zu stellen und zu beantworten, wenn die Lösung die Interessen aller Beteiligten berücksichtigt.

Fragen, andere

Momo stellt die Schuldfrage übrigens auch nicht. Wenn Momo in eigener Sache fragt, stellt sie damit ohne Weiteres die Ordnung oder gleich den ganzen Lauf der Geschichte auf den Kopf und gibt ein plausibles Beispiel dafür, welch enorme Kraft die richtige Frage zur richtigen Zeit entfalten kann. Mit einer einzigen zugegebenermaßen zwischenmenschlich zentralen Frage erhält sie eine Antwort, die sie zur größten Whistleblowerin der Märchenwelt macht. So etwas geht im Märchen natürlich gut aus. Doch zurück zur Realität und den Fragen, die sich in der Konfliktvermittlung stellen lassen. Denn es gibt noch so viele andere Fragen, die interessante Antworten erlauben und kreative Einsichten ermöglichen. Den Antworten auf derlei Fragen lässt sich in einer Mediation nachgehen. Also: geht doch zur Mediation.

Mediation im Gespräch

Neben vielversprechendem Fragen können im Mediationsverfahren noch andere Register gezogen werden: zum Beispiel gewinnende Geschichten – mehr davon in der nächsten STUZ oder im Gespräch ...


Beitrag von Marc Bracht, erschienen in STUZ Nr. 237, Mai 2020